letzte Änderung: Mittwoch, 21.02.2018

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Ich und Taekwondo

21.02.2018

"Der Weg, wie das Leben, ist kein Wettbewerb.
Nie übertreiben wollen, dein Körper würde dir bald die Rechnung vorlegen.
Beobachten, betrachten, stehen bleiben, genießen. Das ist es, was der Weg dich lehren wird."

Spruch in einer Pilgerherberge

Wochentags, abends nach 18:00 Uhr.
Meine Sportfreunde und ich schwitzen mit hochrotem Kopf. Liegestütze.
Der Meister zählt: Eins, zwei, drei, …- tiefer -  zehn, elf, … - Hintern runter! - …. 18, 19…
Warum tue ich mir das an? Die Nachbarn sitzen jetzt vor der Glotze und trinken ihr Weinchen.
20, 21…

Mehrmals die Woche nach der Arbeit gehe ich nicht heim, sondern zum Sport, in die Kampfkunstschule. Oft suche ich vor dem Weg dorthin nach Gründen, nicht zu gehen. Und dann gehe ich doch! Ich weiß, dass ich mich danach besser fühle, den Kopf frei habe und bessere Laune habe.

Seit fast neun Jahren mache ich das jetzt.  Der letzte Text ist jetzt 6 Jahre und einige Gürtelprüfungen her. Inzwischen trage ich den roten Gürtel. Ich kann es selbst kaum glauben.
Wie kam das alles?

Als ich anfing mit dem Taekwondo, wollte ich Sport treiben. Das tue ich auch. Und nicht zu knapp. Dabei gerate ich immer wieder an meine Grenzen. Und immer wieder versuche ich diese Grenzen ein Stück weiter zu schieben.
Nach fünf Jahren regelmäßigem Training waren meine Rückenschmerzen fast ganz weg. Und das jahrelange Beckenbodentraining war nun endlich erfolgreich geworden und das ganz nebenbei.
Wir haben viele gute Bekanntschaften gemacht durch den Sport. Wir hatten tolle Erlebnisse. Wir trafen Meister Kwon und andere Meister, die Eindruck hinterließen.
Und langsam wurde aus dem Sport die Kunst. Ich wollte nicht mehr nur Sport machen. Jetzt hat es mich gepackt, nun marschiere ich auf den Black Belt zu. So als nächstes Ziel.

Es ist mir ein Bedürfnis geworden, meine Hyongs zu laufen oder die eine oder andere Kombination aus dem Training. Auch daheim oder im Urlaub. Und wenn abends im Kopf die Gedanken kreisen, laufe ich die Hyongs halt im Kopf. Ist viiiel besser als Schäfchen zählen, die laufen eh immer durcheinander.

Wenn ich aus irgendeinem Grund mal ne Weile nicht zum Training gehen kann, fehlt mir was. Es fehlt die Bewegung, es fehlen die Sportfreunde, die Atmosphäre...
Die Stunden auf der Matte mit den anderen geben Kraft. Auch wenn das paradox klingt, denn nach diesen Stunden bin ich stets völlig kraftlos und müde am Körper, aber frisch und erholt im Geist.

Und trotzdem frage ich mich oft, warum ich das tue. Oder besser, werde ich gefragt. In meinem Alter müsste ich das doch nicht und abnehmen müsste ich doch auch nicht.

Nein, ich muss nicht abnehmen. Und ich muss auch nicht mehrmals die Woche abends in einer schlecht gelüfteten Halle mit zahlreichen feucht müffelnden Kindern und Erwachsenen rumtoben und völlig außer Puste meine körperlichen Grenzen ausloten. Aber ich will es! Ich will sehen, was ich kann. Mein Körper versucht mich auszutricksen, es tut da und dort weh. Aber ohne den Sport tut mehr weh. Und der Umgang mit den jungen Leuten tut gut und hält frisch.

Zu sehen, was die Jungen können, spornt an. Zu sehen, was sie nicht können, erdet. Große Sprünge mach ich nicht mehr.  Doch wo steht geschrieben, dass ein Meister hoch und weit springen muss?
Sollte ein Meister nicht auch seinem Körper und seiner Gesundheit mit Respekt begegnen? Grenzen ausloten ist toll und muss sein. Aber wirkliche Grenzen akzeptieren ist notwendig und zumindest für mich im mehrfachen Sinne oft schmerzhaft.

Mein Ziel ist vorerst der Schwarzgurt. Der Weg dahin ist noch lang. Es heißt für mich nicht nur die Hyongs zu beherrschen und die anderen sportlichen Übungen, die dazu gehören. Es heißt für mich vor allem, meinen Körper zu beherrschen und meinen inneren Schweinhund zu meinem Begleithund abzurichten. Der ist nämlich eigentlich eher Bluthund.

Mein Ziel ist aber nicht, mein Leben nur nach dem Taekwondo auszurichten. Das Taekwondo ist Teil meines Lebens. Genauso wie die Arbeit, die Familie und ein paar andere Dinge, die zusammen das Leben erst lebenswert machen.

Mein eigentliches Ziel ist es, auch in fünf oder zehn Jahren meinen Körper noch zu beherrschen und mich nicht beherrschen zu lassen. Mein Ziel ist es, der Meister in meinem Leben zu bleiben. Das Taekwondo ist ein Teil dieses Weges. 

 

Der Marokko-Bericht ist endlich fertig

06.10.2017

Jetzt ist fast ein Jahr um und ich habe es endlich geschafft, den Bericht fertig zu machen.Wer ihn lesen möchte kann ihn sich herunterladen. Ein PDF Reader ist zum Lesen erforderlich.

Hier ist der Bericht

 

Unerwarteter Sonntagsausflug

01.10.2017

Ich schlage die Augen auf, es ist grau, Regen trommelt auf die Dachfenster. Mir brummt der Schädel, schon die ganze Nacht.

Gartenarbeit ist heute nicht möglich. Also werde ich nach Erfurt fahren, den Briefkasten der Kinder leeren und Blumen gießen.  Das Wetter ist so grau und trüb, das macht schwermütig.

Ich steige also ins Auto und entscheide mich spontan, nicht die Autobahn zu nehmen. Die Bäume färben sich die letzten Tage sehr schön. Da muss das Ilmtal wunderschön aussehen. Also nehme ich die Straße nach Bucha und fahre wie früher über Mellingen zum Ilmtal. In Göttern sind Unmengen Kürbisse aufgebaut als Zierde und auch zum Verkauf.
Schon im Tal hinter Nennsdorf begrüßt mich der herbstliche Wald. Alles ist in Farbe getaucht und auf der Straße liegen viele Blätter.

Kurz vor Buchfahrt wird es trocken, manchmal kommt ein Sonnenstrahl durch die Wolken. Der Wald sieht davon wie vergoldet aus.

In Tannroda geht es auf einmal nicht mehr weiter, die Straße nach Kranichfeld ist gesperrt wegen Bauarbeiten. Hab ich die Vorankündigung übersehen?
Umkehren mag ich nicht. Karte habe ich nicht, Navi auch nicht. Also nehme ich die einzige Straße, die dort abgeht. Irgendwo wird die schon hingehen und inzwischen ist die Sonne fast ganz raus und ich kann die Richtung im Blick behalten.
Auf schmalen Straßen fahre ich durch Dörfer und Wald. Und komme direkt nach Kranichfeld. Der Ort ist voll, mir fällt ein, dass Mittelalterfest auf der Burg ist. Darauf bzw. auf die Massen habe ich keine Lust. Ich fahre weiter Richtung Stausee. Dort ist der Parkplatz erstaunlich leer und die Sonne taucht den See und die Umgebung in strahlendes Licht. Spontan entscheide ich mich für einen Latte auf der Terrasse des Seerestaurants. Es ist herrlich in der Sonne!
Die Kaffeezeit beginnt und die Terrasse beginnt sich zu füllen. Ich zahle und will weiter. Da komme ich am Abzweig zum Freilichtmuseum vorbei und biege spontan ab. So oft sind wir hier vorbeigefahren. Jetzt will ich mir das anschauen. Es scheint nicht voll zu sein und die Sonne strahlt fast wie im Sommer.
Das Museum ist eine Ansammlung von bäuerlichen Anwesen, die von verschieden Orten hierher versetzt wurden. Es gibt eine Tischlerei, eine Schmiede, viele alte Werkzeuge. Die Häuser sehen aus, als wären die Bewohner nur kurz raus, in den Stall oder im Garten. Auch die Gärten sind angelegt und werden genutzt. Und eine Bockwindwühle gibt es. Irgendwie wirkt alles nicht wie ein Museum, sondern wie ein Dorf mit Besuchern.

Ich genieße den Bummel durch die Häuser. In einigen Stuben riecht es ein bisschen wie früher bei der Oma.

Im Museumsdorf gibt unter einer leuchtend gelben Kastanie ein kleines Freiluftrestaurant. Die netten Wirtinnen backen frische Waffeln und ich bekomme dazu das letzte Radler. Ich genieße beides in der Sonne und höre den Gesprächen an den Nachbartischen zu. Eine Gruppe junger Wanderer mit Kindern wertet den Besuch im Museum aus, diskutiert den Wahlausgang und tauscht Anekdötchen aus. Dazwischen hören wir die Esel, die neben der Mühle grasen, immer wieder schreien.
Es ist ein entspannter, schöner Nachmittag.

Im Dorf gibt es noch das Pfarrhaus mit Garten und einen weiteren Hof zu besichtigen. Also mache ich mich auf, mir das auch noch anzusehen.

Es empfangt mich ein wunderschöner ruhiger Pfarrgarten mit einem alten Apfelbaum, der voller Schneewittchen Äpfel hängt. Im Nachbargarten steht das alte Schulhaus. Das wirkt auch, als wären Schüler und Lehrer eben nur auf einem Ausflug. Die Lehrerwohnung erinnert mich an die Wohnung meiner Tante. Das Schlafzimmer sieht genauso aus wie ihres, als ich ein Kind war. Sogar die gläsernen Flakons zum Versprühen von Parfüm stehen auf der Frisiertoilette.

Eine Schusterwerkstatt voller Erinnerungen und ein Brauhaus laden zum Besuch ein auf dem Weg zum Mittelbauernhof. Der sieht ziemlich still aus. Eine Katze begrüßt mich. Neben der Mistgrube, die leer ist, steht das Herzhäuschen. Hinter der Scheune im Gemüsegarten schimpfen zwei historische Kampfgänse und gackern ein paar Hühner.

Irgendwie wirkt alles ein bisschen wie aus einer anderen Welt. Die Geräusche sind wirklich die Geräusche eines Dorfes. Das sind die Geräusche, die ich daheim vermisse. Unser Dorf klingt nicht wie ein Dorf. Es kräht hier kein Hahn und Gänse schnattern auch nicht. Nur Motoren hört man.
Vor dem Einsteigen ins Auto höre ich noch, wie in einem Garten irgendwer auf einem Akkordeon musiziert. Das macht die Stimmung rund.

Ich beschließe den weiteren Weg über den Riechheimer Berg zu nehmen, um nach Erfurt zu kommen. Und werde nicht enttäuscht!

Vom Berg aus, schon eine ganze Weile davor und noch lange dahinter habe ich einen fantastischen Ausblick auf die Drei Gleichen und den Thüringer Wald. Ich komme mir vor wie im Urlaub.

Inzwischen ist es nach 18 Uhr, die Sonne steht tief und das verstärkt die herrlichen Herbstfarben.
Nach den Erledigungen in Erfurt fahre ich weiter nach Weimar. Inzwischen ist es dunkel. Im Radio läuft ein schräges Krimihörspiel, gerade als ich über den Ettersberg mit dem KZ fahre. Irgendwie passt heute alles zusammen. Einheit von Inhalt und Form sagt man wohl. 😉

Zufrieden bin ich nach einem überraschend guten Tag wieder zu Hause.                                                                                                                  Hier geht zu den Bildern des Tages